Stiftungsurkunde vom 5.11.1979

© Max Frisch-Archiv, Zürich

 

Das Max Frisch-Archiv ist eine eigenständige wissenschaftliche Einrichtung der Max Frisch-Stiftung mit Sitz an der ETH-Bibliothek in Zürich. An der ETH Zürich, wo der weltbekannte Schriftsteller 1940 sein Diplom als Architekt in Empfang nehmen konnte, wird seit rund drei Jahrzehnten der Nachlass betreut, ergänzt und aufgearbeitet. Die vielfältigen Teilbestände sind für wissenschaftliche, literarische und publizistische Arbeiten kostenlos zugänglich.
Die Website unterstützt bei der Recherche zu Leben und Werk von Max Frisch und informiert über aktuelle Dienstleistungen und Veranstaltungen. Die Inhalte werden laufend ergänzt und aktualisiert.

Geschichte

Auch Schriftstellernachlässe haben ihre Schicksale: noch sind die jahrelangen Querelen um den Zugang zu Robert Walsers literarischem Nachlass nicht aus der Erinnerung verschwunden, und noch heute wundert man sich über den Vorhang der Diskretion, der über den literarischen Nachlass der toten Ingeborg Bachmann gebreitet wird. Die beiden Beispiele sind nicht zufällig gewählt; sie waren Ende der siebziger Jahre für Max Frisch zumindest Anstoss, sich Gedanken über die eigene schriftstellerische Hinterlassenschaft zu machen. Dies mehr als zehn Jahre bevor es dank Friedrich Dürrenmatts Schenkung zur Gründung eines Schweizerischen Literaturarchivs kommen sollte.

Im April 1979 wurde der Plan, den Frisch inzwischen gefasst hatte, in kleinem Kreise zum ersten Mal im Detail besprochen: es sollte eine Stiftung gegründet werden, unter anderem mit folgenden Aufgaben: - "die Schaffung eines Max Frisch-Archives, das sich in der Schweiz befinden soll, als Arbeitsstätte für die Forschung;" - "die Verwaltung des literarischen Nachlasses mit allen Rechten und Pflichten, die sich aus dessen Verbreitung und Verwertung ergeben".

Der kleine Kreis war mit Bedacht zusammengesetzt, entsprachen die Personen doch schon genau dem Artikel 4 der künftigen Statuten, der als einziges Organ der Stiftung einen Stiftungsrat von mindestens fünf Mitgliedern bestimmt; ihm müssen mindestens ein Schriftsteller und ein Literaturwissenschaftler angehören, sowie der Verleger der Werke Max Frischs und ein Vertreter der Familie. Die Personen des erwähnten kleinen Kreises sind denn auch identisch mit den Mitgliedern des ersten Stiftungsrates, wie er am 30. Oktober 1979 notariell beurkundet worden ist: Max Frisch / Siegfried Unseld, Suhrkamp Verlag / Peter Bichsel, Schriftsteller / Adolf Muschg, Schriftsteller und bis 1999 a.o. Professor für deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich / Peter von Matt, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Zürich.

Nach dem Tod von Max Frisch, am 4. April 1991, sind neu in den Stiftungsrat eingetreten: Peter Frisch, Sohn des Stifters, und Roland Ris, Professor für deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich, der diesem Gremium bis 2006 angehörte. 2006 wurde David Gugerli, Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich, in den Stiftungsrat gewählt.
Nach dem Rücktritt der beiden Stiftungsräte Peter Bichsel und Adolf Muschg gehören seit Mai 2010 der Schriftsteller Lukas Bärfuss sowie der Privatdozent für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich Thomas Strässle dem Stiftungsrat an.
Im September 2013 ist Peter von Matt als Präsident der Max Frisch-Stiftung, deren Vorsitz er nahezu 35 Jahre inne hatte, zurückgetreten. Thomas Strässle ist zu seinem Nachfolger gewählt worden. Neu wurde der ehemalige Zürcher Regierungsrat Markus Notter in den Stiftungsrat gewählt.

Die ETH Zürich war es auch, die im Frühjahr 1980 Interesse bekundete an der Errichtung eines Max Frisch-Archivs in ihren Räumlichkeiten und dem Stiftungsrat entsprechende Unterstützung zusicherte. Im August desselben Jahres gelangten, in zwölf Kisten verpackt, die ersten von Max Frisch zur Verfügung gestellten Materialien in die Räume des Lehrstuhls für deutsche Sprache und Literatur der ETH Zürich. Anfang Februar 1981 nahm der inzwischen vom Stiftungsrat als Archivar gewählte Germanist Walter Obschlager im Rahmen einer 50%-Stelle seine Aufgabe in Angriff: Aufbau und Betreuung des Max Frisch-Archivs.

Seit April 1983 ist das Archiv öffentlich zugänglich. Im selben Jahr erschienen gleich drei wichtige Veröffentlichungen, die sich erstmals auf Archiv-Dokumente stützen konnten.

Im April 2004 ist das Archiv in die Räumlichkeiten der ETH-Bibliothek umgezogen. Eine Anfang 2007 mit der ETH Zürich geschlossene Vereinbarung regelt die dauerhafte organisatorische Eingliederung des Archivs in die ETH-Bibliothek, ohne dass dieses den Status einer eigenständigen Forschungseinrichtung aufgibt. Nach der Pensionierung von Walter Obschlager im Juli 2008 übernahm Dr. Margit Unser die Archivleitung. Neuer Leiter ist seit dem 1. September 2016 der Germanist Tobias Amslinger.